‘Violins Don’t Grow On Trees’ [Duits: ‘Violinen Wachsen Nicht Auf Bäumen’] is de eerste nauwgezette biografie over het leven en werk van de Duitse synthesizerpionier Klaus Schulze. Geen eenvoudig klusje als je bedenkt dat Schulze over de honderd albumtitels op zijn naam heeft staan. Musicophilia sprak met schrijver Olaf Lux over de totstandkoming van zijn mammoetwerk dat eind 2020 in eigen beheer op de markt kwam.

*Was war deine Motivation um ein Buch über Klaus Schulze zu schreiben?

Wenn man sich wirklich sehr für Musik interessiert, kommt irgendwann der Punkt, wo man mehr wissen möchte über den Künstler dahinter, jedenfalls geht es mir so. Also beginnt man, sich schlau zu machen und zu recherchieren. Ich interessiere mich für sehr unterschiedliche Bands und Künstler wie z.B. Pink Floyd, Genesis, Alan Parsons, Mike Oldfield, Andreas Vollenweider, Depeche Mode, Level 42…und natürlich für viele elektronische Musiker wie Kraftwerk, Tangerine Dream, Jean-Michel Jarre, Michael Brückner, Klaus Schulze usw… Von den meisten dieser Künstler gibt es mehr oder weniger gute Biografien – je berühmter der Künstler ist, desto mehr natürlich.
Über Klaus Schulze gibt es ebenfalls einige Bücher, und ich habe sie auch [fast] alle gelesen – aber ich war ziemlich enttäuscht, wie unbefriedigend die Lektüre war. Das muss doch besser gehen, sagte ich mir, und dann beschloss ich, DAS Klaus Schulze-Buch zu schreiben, das ich selber gerne lesen würde.

*Womit wolltest du dich auszeichnen im Vergleich mit anderen KS-Biographien?

Vor allem sollte ‘Violins Don’t Grow On Trees” ein “richtiges Buch werden”, keine bloße Auflistung von Alben, Konzertdaten oder subjektiven Rezensionen meiner Lieblingsstücke. Als Nichtmusiker interessierte mich auch überhaupt nicht, welches Instrument auf welchem Album bei welchem Stück benutzt wurde. Mich interessiert die Musik als Ganzes. Ich wollte zu jedem Album und zu jedem Stück Informationen zusammentragen, und das alles in einem unterhaltsamen, informativen Stil präsentieren. Das Lesen sollte Spaß machen, dabei all das bekannte KS-Wissen zusammenfassen, sowie die ein oder andere bisher wenig bekannte Anekdote bieten, so dass selbst der jahrelange KS-Kenner denkt ‘Wow, das wusste ich noch nicht’. Außerdem sollte das Buch angenehm layoutet sein, gut in der Hand liegen, und im Notfall auch Schwerthiebe parieren können…

*‘Schwerthiebe parieren’? Was meinst du?

Na, hast du das Teil mal in der Hand gehabt? Das ist schon ein stabiles Stück Wissen, nicht so’n labberiges Paperback… [lach]

*Wie lange hast du am Buch gearbeitet?

Vor ungefähr fünf Jahren begann ich mit der ernsthaften Recherche, sprich alles an Artikeln, Interviews, Liner Notes, Reportagen usw. zusammenzutragen und zu strukturieren. Man denkt zwar immer, dass man schneller vorankommt – das Buch sollte eigentlich schon vor zwei Jahren fertig sein – doch dann kommt immer wieder was neues dazu, eine neue Information, ein neuer Kontakt zu einer Person aus Klaus Schulzes Umfeld, und schon muss man wieder ganze Kapitel umschreiben, damit der Lesefluss gewährleistet bleibt. Dass die Übersetzung ins Englische relativ schnell ging, hat mich überrascht – dafür hat dann aber das Korrekturlesen wieder ewig gedauert. Ich glaube aber, man merkt meinem Buch an, wieviel Arbeit und Sorgfalt in ihm steckt.

De Engelse en Duitstllige uitgave

*Absolut. Sogar ich, ein kritischer Jammerer, bin aussergewöhnlich begeistert. Was ein wenig fehlt, ist eine ausführliche persönliche Beschreibung von Klaus. Ist er launisch, unsicher, temperamentvoll, wie war sein Verhältnis zu seiner Familie usw?

Klaus ist einer dieser Menschen, von denen man glaubt zu wissen, wie sie drauf sind – man kennt die vielen witzigen und unterhaltsamen Interviews mit ihm, wie er auf Berlinerisch über Gott und die Welt plaudert, immer mit einem Augenzwinkern, immer ehrlich und geradeheraus. Aber ist er auch privat so? Da ich ihn nie persönlich getroffen habe, hätte ich hier spekulieren müssen, und das wollte ich nicht. Ich glaube aber, dass ich dieses kleine Manko ganz gut dadurch kompensieren konnte, dass ich im Anhang die ganzen Freunde und Kollegen von Klaus zu Wort kommen lasse. Durch deren Augen kann man eigentlich ganz gut beurteilen, dass Klaus tatsächlich der liebenswerte, chaotische Typ ist, als den man ihn kennt.

Afbeeldingsresultaat voor michael brückner klaustrophilia
De sympathieke Klaus Schulze

* Gab es Zeiten, in den du dachtest mit dem Schreiben aufzuhören? ‘Violins Don’t Grow On Trees’ ist ein sehr umfangreiches Werk. Es muss ein verdammt harter Job gewesen sein. 

Nein, aufgeben wollte ich nie, im Gegenteil. Das ist der Vorteil, wenn man etwas in erste Linie für sich selbst macht – da ist niemand, der dir reinredet, dich hetzt oder kritisiert. Ich war mir sicher, dass es irgendwann fertig wird – wann genau war mir völlig egal.

*Gab es Passagen, die schwer oder leicht zu schreiben waren? Z.b. war es einfacher, über die ’70er oder ’80er zu schreiben als über die ’90er oder die Jahre nach 2000…oder umgekehrt?

Eigentlich nicht. Kapitel 01 war natürlich dahingehend schwer zu schreiben, weil es einfach nicht so viele zuverlässige Quellen zum Thema ‘Der Mensch Klaus Schulze’ gibt. In Interviews hat Klaus nur sehr selten über sein Privatleben und seine Familie gesprochen, da musste ich aus allen möglichen Quellen ein Gesamtbild zusammenbasteln, das sicher hier und da Lücken aufweist. Über die Alben gab es eigentlich immer genug Material, um einen vernünftigen Text zu verfassen. Am schwierigsten und aufwendigsten waren tatsächlich die Anhanglisten mit den genauen Seitenzahlen – eine echte Sisyphusarbeit.

*Du veröffentlichst das Buch selbst. Wie groß ist die Chance, dass du die Rechte an einen großen Verlag verkaufst wenn sich jemanden melden würde?

Ich mache mir dazu eigentlich wenig Gedanken, weil die Wahrscheinlichkeit doch schwindend gering ist. Bei aller Affinität und Bewunderung gegenüber Klaus, ist er dennoch ein Nischenmusiker, den auf der Straße niemand kennt. Deshalb macht es auch wenig Sinn, eine Klaus Schulze-Biografie in einen Buchladen oder ein großes Kaufhaus zu stellen – wen sollte das interessieren? Außerdem ist es mit Buchverlagen ähnlich wie mit Plattenfirmen – am Ende bleiben für den Autor/Künstler nur Cent-Beträge übrig…nein danke.

Alles in eigen beheer!

*Erhält das Buch Aufmerksamkeit von Medien/Zeitschriften?

Vor allem in den sozialen Medien gibt es Feedback, zuallererst natürlich über Facebook, wo in diversen Klaus Schulze-Gruppen darüber berichtet und diskutiert wird, oder auch im EMPortal, ein Online-Forum über Elektronische Musik. Sehr gefreut habe ich mich über positive Rezensionen auf bekannten Musik-Webseiten wie ‘Babyblaue Prog-Reviews’, ‘Musikzirkus-Magazin’ oder ‘Buchwelten’. Fehlt eigentlich nur noch Musicophilia… [lach]. Was Printmedien angeht, gab es eine nette Buchbesprechung in der Musikzeitschrift ‘Good Times, und auch im ‘Eclipsed-Magazin’ wird in der nächsten Ausgabe was kommen. Am coolsten war allerdings, dass sowohl Olaf Zimmermann [‘Elektro Beats’] als auch Ecki Stieg [‘Grenzwellen’] in ihren Radioshows mein Buch vorgestellt und bei der Gelegenheit auch gleich ein Stück von Michael Brückners Album ‘Klaustrophilia’ gespielt haben. Das bekommt nämlich jeder Käufer als Gratis-Download zum Buch dazu.

* Wie kam die Zusammenarbeit zwischen dir und dem Musiker Michael Brückner zustande? Wer kam auf die Idee vom Gratis-Download?

Eigentlich war es Michaels Idee. Wir sind ja schon viele Jahre befreundet, und ich halte ihn für einen der kreativsten ‘Hobbymusiker’ der jüngeren EM-Szene. Wie Klaus früher hat Michael mit ganz bescheidenen Mitteln angefangen, einfach weil er nie die Kohle hatte für einen riesigen Gerätepark. Und wie Klaus musste er die technischen Mängel durch Kreativität und Improvisationstalent wettmachen. Außerdem ist er sich nie zu schade, etwas neues auszuprobieren, es gibt glaube ich keine zwei Alben von ihm, die gleich klingen. Auf jeden Fall ist er ein genauso großer KS-Fan wie ich, und da haben wir natürlich immer mal wieder über meine Arbeit an dem Buch gesprochen. Wir überlegten, wie man das Buch gut im Internet präsentieren und auch verkaufen könnte, ohne extra einen eigenen Webshop aufsetzen zu müssen, und so Plattformen wie Amazon will ich nicht unterstützen, weil die die kleinen Händler kaputt machen. Und da kam Michael auf die Idee mit Bandcamp. Er bietet ja seine Musik dort an und meinte, die Konditionen, sprich Gebühren, die Bandcamp nimmt, seien echt human gegenüber Download-Plattformen wie iTunes oder Spotify, wo der Künstler am Ende nur Centbeträge bekommt. Nun ist Bandcamp aber eine Seite für Musik, wie soll man da ein Buch einstellen? Tja, und da kam die Idee, eine Art Dummy-Download einzustellen, und das Buch dann sozusagen als Merchandise dranzuhängen. Nun gibt es zwar tatsächlich Musik von mir – ich war vor 30 Jahren mal Mitglied in einer Deutschrap-Combo namens ‘Die Lachenden Dritten’ – aber das ist nun wirklich nicht für die Öffentlichkeit geeignet [lach] und hat auch nichts mit Klaus Schulze zu tun. Also bat ich Michael, ob er mir nicht was komponieren könnte, irgendein Stück, das ein bisschen nach KS klingt. Ha, und ein paar Tage später kommt er mit einem ganzen Album feinster Berliner Schule-Musik an – ‘Klaustrophilia’. Und was soll ich sagen – es passt phantastisch zum Buch. Es war mir direkt unangenehm, ein so tolles Album einfach zu verschenken, aber mittlerweile gibt es ‘Klaustrophilia’ ja auch als reguläres Album auf Michaels Bandcamp-Seite zu kaufen, sogar als Doppel-CD mit weiteren Tracks. Ich kann es nur empfehlen.

Het eerbetoon aan Klaus Schulze van Michael Brückner

*Am Anfang vom Buch erwähnst du das – entgegen der damaligen Kritik – Synthesizermusik keine Drehknopf Musik ist und jeder anderen Musikform ähnelt, bzw. der Musiker musikalische Fachkenntnisse haben und als Musiker angesehen werden sollte. Aber auf Seite 328 [Kapitel 25] kritisierst du so ähnlich das ‘DJ-ing‘. Ich zitiere: “Die Jugend von heutzutage glaubt ja tatsächlich, dass jemand, der hinter einem Pult steht und irgendwelche Beats ineinander mischt, ein richtiger Musiker ist.“ Behauptest du da nicht das gleiche wie die damaligen Kritiker?

Du meinst, Plattenspieler wachsen auch nicht auf Bäumen? [lach] Kann schon sein. Wenn man darüber nachdenkt, könnte man heutiges DJ-ing durchaus als ‚Live-Sampling‘ bezeichnen, was selbstverständlich ein gewisses Maß an Musikalität und Können voraussetzt. Zu meiner Zeit war ein DJ halt der Typ, der in der Disko die Platten aufgelegt hat. Das einzig Kreative dabei war die Frage ‚Lege ich nach Depeche Mode jetzt was von New Order auf, oder lieber was von Erasure‘. Die konnte man wohl kaum als Musiker bezeichnen. Irgendwann fingen die HipHopper an, nur noch die Beats der Platten zu loopen, zu scratchen und darüber zu rappen. Das war schon cool und sehr kreativ. Tja, und die DJs heute mischen nur noch Beats ineinander, lassen ab und zu den Beat droppen, und fragen dann das Publikum, was der Fisch kostet…

Aber du hast natürlich Recht, Musik ist Musik, und meine von dir zitierte Bemerkung ist ebenso ignorant, wie die der Synthesizer-Gegner früher. Sorry, ich bin auch nur ein Mensch. Wie habe ich es noch auf Seite 434 formuliert: ‚Es gibt keine schlechte Musik, nur Musik, die einem gefällt oder nicht gefällt‘.

*Du bist ein großer KS-Fan, aber was ist der Grund dafür, das Klaus‘ Auftritt am 18. Juli 2008 auf der Loreley dein erstes Schulze-Konzert war?

Ich bin halt noch nicht so alt. [lach] Nee, ernsthaft…seit meiner Jugend schon finde ich Musik klasse. Trotzdem wurde ich erst relativ spät ein ‚professioneller Fan‘ und Konzertgänger. Meine ersten Konzerte waren Peter Gabriel (1993) und Pink Floyd (1994). Zu dem Zeitpunkt hatte Klaus Schulze schon lange aufgehört, längere Tourneen zu machen, und die wenigen Einzelkonzerte von ihm gingen irgendwie immer an mir vorbei. So um 2006/2007 rum habe ich das ‚Deutsche Klaus Schulze Forum‘ gegründet, und als ich dann 2008 mitbekam, dass Tangerine Dream UND Klaus Schulze am selben Abend auf der Lorelei spielen, habe ich sofort beschlossen, zusammen mit meinem Bruder hinzufahren. Wenn ich jetzt im Nachhinein gucke, wie oft Klaus in den Jahren davor schon bei mir in der Nähe gespielt hat, könnte ich mir natürlich in den Hintern beißen, dass ich so ein konzerttechnischer Spätzünder war.

*Was sind die allgemeinen Reaktionen auf das Buch?

Durchgehend positiv, von Finnland bis Japan lieben alle mein Buch, nur einer hat sich bisher beschwert – er mochte das Format nicht, es war ihm zu dick [lach]. Den Ritterschlag habe ich ja schon an Silvester bekommen – da hat Klaus mir über Facebook persönlich zu dem Buch gratuliert. Natürlich hatte ich ihm ein Exemplar zukommen lassen.

Een trotse Olaf Lux

*Bevorzugst du eine bestimmte Phase in Klaus‘ Musik?

Ich gehöre zu den wenigen [glaube ich], die jetzt nicht aufspringen und ‚die goldenen 70er‘ rufen. Obwohl natürlich die meisten von Klaus Schulzes Meisterwerken aus den 70ern stammen – so ist jedenfalls die landläufige Meinung. Ich kann tatsächlich allen Phasen in Klaus Schulzes Schaffen etwas abgewinnen, ich liebe die Klassiker, habe aber auch Favoriten aus den 80ern und den 90ern. Außerdem habe ich eine Schwäche für gute Chillout-Musik, womit ich eigentlich alles ab ‘Contemporary Works’ ebenfalls klasse finde. Was ich nicht so mag sind Klaus‘ Ausflüge in die klassische Musik, dann der schiere Überfluss an Lisa Gerrard-Stücken, die alle irgendwie gleich klingen, und dann noch die Phase, wo er es wirklich etwas mit dem Sampling übertrieben hat.

*Welche sind deine Klaus Schulze Desert Island-Alben [max. 10]?

Ich könnte jetzt ja clever sein und die ganzen großen Boxsets aufzählen, dann hätte ich genug Musik, bis mich das nächste Kreuzfahrtschiff aufgabelt, aber ich will mal nicht so sein und beschränke mich auf die ‘normalen‘ Alben.
Meine derzeitige Klaus Schulze Top10: ‘Irrlicht’ [1972], ‘Body Love’ [1977], „X.“ [1978], ‘En=Trance’ [1988], ‘Miditerranean Pades’ [1990], ‘Dosburg Online’ [1997], ‘Priveè ]2000], ‘Moonlake’ [2005], ‘Kontiniuum’ [2007], ‘Big In Japan’ [2010], ‘Enternal’ [2017], ‘Silhouettes’ [2018] … und natürlich das nächste Album, das hoffentlich noch dieses Frühjahr erscheint.

https://olaflux.bandcamp.com/

https://michaelbrueckner.bandcamp.com/

Michel Scheijen

(Visited 253 times, 1 visits today)

Geef een antwoord